Musik, Fotografie und lokales aus Frankfurt am Main

Schwärmzeit.de

Kabinett der Kuriositäten

Das klingt schon skurril oder eben kurios und ich vermute ... genau das wird es auch sein. Soweit klar ist bereits, es handelt sich um eine Musik- und Erlebnisveranstaltung im Kunstatelier der Schwedlerstraße. Es wird elektronische und akustische Musik präsentiert, hinzukommen Erlebnisbereiche der Sub- und Fremdkultur, teils abstrakt oder sehr physisch in Form einer Massage. Mit spannenden Namen wie "Lichterwald", "Anstalt", "Wolkenkuckuksheim" oder "Gebärmutter" werden die Erlebnisbereiche einer Thematik zugeordnet, damit der Besucher die Perspektive der Künstler folgen können. Zwei weitere Aspekte sind mir an der Veranstaltung besonders aufgefallen, die Besucher müssen kurios-verkleidet erscheinen, es soll mindestens erkennbar sein, dass sich der Besucher mit der Thematik auseinandergesetzt hat, da sie selbst einen großen Teil der Atmosphäre beitragen und Teil des Ganzen sind. Spontan hat man hier wenig Chancen, eingelassen zu werden. Weiterhin ist es strikt untersagt, eigene Fotos in den Kunsthallen zu schießen, die Kameras von Smartphones werden am Eingang abgeklebt. Auf dieser Basis können ungezwungene zwischenmenschliche Kontakte entstehen, welche die Veranstaltung deutlich aus den Kulturveranstaltungen im Rhein-Main Gebiet hervorhebt.
Ich bin gespannt und werde berichten...

Webseite: Atelier Frankfurt

Kabinett der Kuriositäten auf www.frankfurt.carpediem.cd


... wir waren von 20 Uhr bis zirka 1 Uhr vor Ort und entsprechend skuril gekleidet und geistig auf das unerwartete vorbereitet. Beim ersten Blick auf das Atelier ist mir die von weiten erkennbare Verwandlung des Gebäudes aufgefallen, der Hof war mit Scheinwerfer ausgeleuchtet und Nebelmaschinen sorgten für Stimmung, schon vor den Toren konnte man elektronische Trancemusik höre. Die Schlange vor dem Einlass war um diese Uhrzeit nicht sehr lang, wurde aber von kantigem Sicherheitspersonal "geschützt", was bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung wahrscheinlich notwendig ist.
Positiv aufgefallen ist mir die detailierte und teils sehr aufwendige Gestaltung der Räume. Ein geräumiges orientalisches Langzelt in dem gut 100 Personen platz finden können, stand mitten im Hof, hierher stammte auch die Trancemusik, in dem Zelt gibt es eine Bar mit freundlichen und gut gelaunten Personal. Europaletten und Feuerschale als gemütliche Sitzecke neben dem Zelt, das ist auch etwas anderes als tagsüber, wenn man hier in der Atelier-Kantine lecker essen gehen kann. Die Kantine sorgte aber auch an diesem Abend für das leibliche Wohl und ist ohne übertreibung jederzeit sehr empfehlenswert!

Viele der Besucher waren ebenfalls verkleidet, von Barock bis Indianer, Raver, Elbenkrieger oder Steam-Punk, die meisten der Besucher waren zwischen 20 und 30 Jahre alt. Leider waren aber auch zirka ein viertel der Besucher in Jeans, Hemd/T-Shirt/Bluse und Turnschuhen unterwegs, was ich nicht nur sehr einfallslos empfand, ich bin auch davon ausgegangen, dass man in dem Alltagsdress garnicht erst eingelassen wird, wie es in der Beschreibung stand. Das war schon eine größere Enttäuschung.

Manche Bereiche wurden erst gegen 23 Uhr geöffnet, da hier vom Veranstalter noch gewerkelt wurde. Wir haben uns die Zeit mit schauen, reden, tanzen, trinken, erkunden, sich schminken-lassen, ausruhen verbracht. Eine weitere Räumlichkeit der "Lichterwald" wurde gegen 0 Uhr etwas voller und die Musik hatte etwas an fahrt aufgenommen, war aber immer noch sehr trancelastig, dennoch haben wir das Tanzbein geschwungen um den Abend diesbezüglich nicht ungenutzt zu verbringen. Nach dem Besuch weiterer Räume, die sich entweder als weiterer Dancefloor, Bar oder Ruhebereich herausstellten, war klar, dass die Veranstaltung im Atelier-Frankfurt mit Kunst wenig zu tun hat. Es ist viel mehr eine große Club-Location mit wirklich interessant gestalteten Räumlichkeiten, erschwinglichen Getränken und bei frühem erscheinen auch der Eintritt.

Fazit: Ich hätte etwas anderes erwartet, mehr Kunst, mehr Experimentell, weniger Party, Musik die nicht im Vordergrund steht dafür aber abwechslungsreicher ist. Vorallem habe ich bei den teils schön gestalteten Räumen eines vermisst. Eine Beschreibung darüber was sich der Veranstalter bei der Gestaltung des Raums gedacht hat und dann sollte auch die Musik in dem Raum zum Thema passen.
Bei mir ist der Funke nicht übergesprungen, was vor allem daran lag, dass die Musik in allen 4 Club-Bereichen nahezu identisch war - Trance und Ambient mal mit, mal ohne orientalische Einflüsse. Ich kann nicht ausschließen, dass sich die die musikalische Auswahl im späteren Verlauf der Veranstaltung verändert hat, es ging ja bis in die Morgenstunden. Dennoch würde ich mir wünschen, die Facetten der elektronischen Musik in den 4 Dancefloors zu nutzen, House, Schranz, Minimal und gern auch Trance aber bitte nicht ausschließlich !